Immer Papa bleiben

(für kizz) Nicht allen Vätern gelingt, es nach der Trennung Kontakt zu Ihrem Kind zu halten. Was getrennte Eltern tun können, um die Entfremdung von ihren Kindern zu vermeiden. Ein Interview mit Eberhald Schäfer, dem Leiter des Väterzentrums Berlin.

Was können Väter tun, um auch nach der Trennung in gutem Kontakt zu ihren Kindern zu bleiben?

Zuerst einmal sollten sie möglichst immer im Gespräch mit der Mutter des Kindes bleiben und die Kommunikation nicht abreißen lassen, auch wenn dies schwierig erscheint. Gerade, wenn die Ex-Partnerin etwas im Umgang mit dem gemeinsamen Kind nicht gut findet, kann man das reflektieren und überlegen, ob an dem Vorwurf was dran ist. Fahre ich wirklich zu schnell, bringe ich das Kind zu spät ins Bett? Man sollte versuchen ins Gespräch zu kommen, sagen, hey, lass uns das doch mal ausprobieren und in vier Wochen schauen wir dann, ob es geklappt hat. Oft sind Väter aber so gekränkt, dass sie nicht für ihre Art der Erziehung einstehen, sondern sich zurückziehen.

Kann das im Extremfall auch zur Entfremdung führen? 

Bei Beziehungsabbrüchen muss man sich jeden Fall individuell anschauen. Wenn der Vater verletzt und beleidigt ist, wirkt das natürlich auch auf die Kinder. Ebenso, wenn die Mutter immer durchblicken lässt, dass der Vater den Unterhalt nicht diskussionsfrei zahlt hat oder – angeblich – unzuverlässig ist. Das muss gar nicht laut ausgesprochen werden, Kinder bekommen die Haltung eines Elternteils zum anderen mit, da soll sich niemand etwas vormachen.

Manche Väter werfen ihren Ex-Partnerinnen vor, dass sie die Kinder manipulieren. Ist da was dran? 

Dieses Phänomen gibt es sicherlich. Man sollte aber  nicht allzu schnell dem anderen Elternteil Manipulation vorwerfen – es muss nicht der Grund sein, warum Kinder ihre Väter nicht mehr sehen wollen.

Woran liegt es dann?

Man weiß aus der Forschung, dass Kinder es nicht ertragen können, wenn Eltern schwere Konflikte haben. Für sie fühlt es sich dann so an, als müssten sie beim Wechsel zwischen den Elternteilen jedes Mal durch ein Minenfeld gehen: Jederzeit kann es knallen. Manche Kinder lösen diesen Loyalitätskonflikt, indem sie sich entscheiden, nicht mehr zu einem Elternteil zu gehen. Damit sind sie aus dem Minenfeld heraus. Meist ist das derjenige, bei dem sie nicht ihren Lebensmittelpunkt haben.

Haben Sie den Eindruck, dass Väter es den Müttern manchmal nicht recht machen können? 

Ich wünsche mir manchmal mehr Wertschätzung für die Erziehungsarbeit getrennter Väter. Immer wieder wird „das Haar in der Suppe“ gesucht: Das Kind wurde nicht warm genug angezogen, zu spät zum Arzt gebracht usw. Besser als schnelle Kritik wäre häufig ein Perspektivwechsel: Was könnte gut daran sein, wie es der Vater macht? Väter haben oft eine andere Sichtweise und einen anderen Zugang zum Kind als Mütter. Anders muss aber nicht schlechter sein!

Photo by Juliane Liebermann on Unsplash
Das Interview ist in der Zeitschrift kizz, Ausgabe Juli/August 2020 erschienen.

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